Epilepsie
Was ist Epilepsie?
Epilepsie ist eine chronische neurologische Erkrankung, bei der es zu wiederkehrenden epileptischen Anfällen kommt. Diese Anfälle entstehen durch eine vorübergehende, unkontrollierte elektrische Entladung von Nervenzellen im Gehirn. Etwa 0,5–1 % der Bevölkerung ist betroffen.
Ein einzelner epileptischer Anfall bedeutet noch keine Epilepsie. Die Diagnose wird gestellt, wenn mindestens zwei unprovozierte Anfälle aufgetreten sind oder nach einem einzelnen Anfall ein erhöhtes Wiederholungsrisiko besteht.
Symptome
Epileptische Anfälle können sehr unterschiedlich aussehen, je nachdem welche Hirnregion betroffen ist:
Fokale Anfälle (von einer Hirnregion ausgehend)
- Zuckungen einer Körperhälfte oder einzelner Gliedmaßen
- Sensibilitätsstörungen (Kribbeln, Taubheit)
- Sehstörungen, Geruchs- oder Geschmackshalluzinationen
- Bewusstseinsveränderungen mit Automatismen (z.B. Schmatzen, nestelnde Handbewegungen)
- Déjà-vu-Erlebnisse oder aufsteigende Übelkeit (epigastrische Aura)
Generalisierte Anfälle (das gesamte Gehirn betreffend)
- Tonisch-klonischer Anfall (Grand mal): Bewusstlosigkeit, Versteifung des Körpers, rhythmische Zuckungen, ggf. Zungenbiss und Einnässen
- Absencen: Kurze Bewusstseinspausen (5–30 Sekunden), häufig im Kindesalter
- Myoklonische Anfälle: Plötzliche, kurze Muskelzuckungen
Ursachen
- Genetische Veranlagung – familiäre Epilepsieformen
- Strukturelle Hirnveränderungen – nach Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, Hirntumor
- Entzündliche Erkrankungen – Meningitis, Enzephalitis
- Stoffwechselstörungen – Elektrolytstörungen, Unterzuckerung
- Unbekannte Ursache – bei einem erheblichen Teil der Patienten bleibt die Ursache unklar (kryptogene Epilepsie)
Diagnostik
Das EEG (Elektroenzephalographie) ist das wichtigste diagnostische Verfahren bei Epilepsie. Es kann epilepsietypische Potentiale nachweisen und hilft bei der Klassifikation der Epilepsieform.
Weitere Diagnostik:
- Ausführliche Anamnese – Anfallsbeschreibung (idealerweise durch Augenzeugen), Vorerkrankungen, Familienanamnese
- Neurologische Untersuchung – klinisch-neurologischer Befund
- Laboruntersuchungen – Blutbild, Elektrolyte, Leber- und Nierenwerte, Medikamentenspiegel
- Bildgebung – MRT des Kopfes zum Ausschluss struktureller Ursachen (Überweisung)
Behandlung
Medikamentöse Therapie (Antikonvulsiva)
Ziel ist die vollständige Anfallsfreiheit bei möglichst wenigen Nebenwirkungen. Häufig eingesetzte Medikamente:
- Levetiracetam – breites Wirkspektrum, gut verträglich
- Lamotrigin – besonders bei fokalen Epilepsien und bei Frauen im gebärfähigen Alter
- Valproat – wirksam bei generalisierten Epilepsien (nicht bei Frauen im gebärfähigen Alter)
- Lacosamid – bei fokalen Epilepsien
- Oxcarbazepin – bei fokalen Epilepsien
Die Wahl des Medikaments richtet sich nach der Epilepsieform, dem Alter, Begleiterkrankungen und der individuellen Verträglichkeit.
Verlaufskontrolle
- Regelmäßige EEG-Kontrollen
- Medikamentenspiegelbestimmungen im Blut
- Anfallskalender zur Dokumentation
- Anpassung der Medikation bei Bedarf
Lebensführung
- Ausreichend Schlaf (Schlafentzug ist ein häufiger Anfallsauslöser)
- Mäßiger Alkoholkonsum oder Abstinenz
- Regelmäßige Medikamenteneinnahme
- Informationen zu Fahrtauglichkeit und Berufswahl
Letzte Aktualisierung: 2026-04-12