Demenz und kognitive Störungen
Was ist Demenz?
Demenz ist ein Oberbegriff für Erkrankungen, bei denen es zu einem fortschreitenden Verlust kognitiver Fähigkeiten kommt. Betroffen sind Gedächtnis, Denkvermögen, Orientierung, Sprache und Urteilsfähigkeit. Die Symptome sind so ausgeprägt, dass sie den Alltag beeinträchtigen.
Nicht jede Vergesslichkeit ist eine Demenz. Eine leichte kognitive Störung (Mild Cognitive Impairment, MCI) kann ein Vorstadium sein, muss aber nicht zwangsläufig in eine Demenz übergehen.
Symptome
Frühzeichen
- Zunehmende Vergesslichkeit (besonders für kürzlich Geschehenes)
- Schwierigkeiten bei der Wortfindung
- Orientierungsprobleme an unbekannten Orten
- Schwierigkeiten bei komplexen Aufgaben (Finanzen, Kochen)
- Verlegen von Gegenständen
Fortgeschrittene Symptome
- Zeitliche und örtliche Desorientierung
- Persönlichkeitsveränderungen
- Antriebslosigkeit oder Unruhe
- Sprachverarmung
- Verlust der Selbstständigkeit im Alltag
Ursachen
- Alzheimer-Demenz – häufigste Form (ca. 60–70 %), Ablagerung von Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen im Gehirn
- Vaskuläre Demenz – durch Durchblutungsstörungen des Gehirns (z.B. nach Schlaganfällen)
- Lewy-Körperchen-Demenz – mit Parkinson-ähnlichen Symptomen und visuellen Halluzinationen
- Frontotemporale Demenz – mit frühen Persönlichkeits- und Verhaltensänderungen
- Sekundäre Demenzen – durch behandelbare Ursachen: Schilddrüsenunterfunktion, Vitamin-B12-Mangel, Normaldruckhydrozephalus, Depression (Pseudodemenz)
Diagnostik
- Ausführliche Anamnese – mit Angehörigen, Symptomverlauf, Alltagskompetenz
- Kognitive Screeningtests – MMST (Mini-Mental-Status-Test), DemTect, MOCA, PANDA
- Neurologische Untersuchung – Beurteilung von Motorik, Reflexen, Gangbild
- EEG – kann Hinweise auf den Schweregrad der Hirnfunktionsstörung geben und andere Ursachen (z.B. Epilepsie) ausschließen
- Laboruntersuchungen – Schilddrüsenwerte, Vitamin B12, Folsäure, Blutbild, Leber-/Nierenwerte
- Lumbalpunktion – Bestimmung von Demenz-Biomarkern (Amyloid-beta, Tau-Protein) im Liquor
- Bildgebung – MRT des Kopfes (Überweisung)
Behandlung
Medikamentöse Therapie
- Cholinesterasehemmer (Donepezil, Rivastigmin, Galantamin) – bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz
- Memantin – bei mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Demenz
- Behandlung vaskulärer Risikofaktoren – bei vaskulärer Demenz (Blutdruck, Cholesterin, Blutzucker)
- Behandlung sekundärer Ursachen – Schilddrüsenhormonsubstitution, Vitamin-B12-Gabe
Nicht-medikamentöse Therapie
- Kognitives Training und Gedächtnisübungen
- Ergotherapie (Erhalt der Alltagskompetenz)
- Physiotherapie (Sturzprophylaxe, Mobilität)
- Strukturierter Tagesablauf
- Soziale Aktivitäten und Teilhabe
- Beratung und Unterstützung für Angehörige
Verlaufskontrolle
- Regelmäßige kognitive Testungen zur Verlaufsbeurteilung
- Anpassung der Medikation
- Beratung zu Pflegegrad, Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung
Letzte Aktualisierung: 2026-04-12